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Der Zentralrat soll vor der eigenen Türe kehren!
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Der Zentralrat der Juden Deutschlands läßt seit Jahrzehnten keine Gelegenheit aus,
uns Deutsche wegen des Hitler-Holocausts zu demütigen. Und dies, obwohl der Zentralrat genau weiß, daß nicht das deutsche Volk in seiner Gesamtheit die Millionen Juden vergasen ließ, sondern die damalige Regierung! Weder mein Vater,
der als Soldat an der Ostfront kämpfen mußte, noch meine Mutter, die im Arbeitsdienst verpflichtet war, wußten damals von den Deportationen und den Konzentrationslagern der Nazis. Und das übrige Volk wußte es auch nicht!
Trotzdem zelebriert der mächtige Zentralrat unter dem Motto “gegen das Vergessen” und unter Vergatterung der jeweiligen Regierung das Schuldbekenntnis
der Deutschen und ihre Demütigung. Dies hat zur Folge, daß jedes Selbstwertgefühl und jeder natürliche Patriotismus hierzulande im Keim erstickt wird. Mit den inzwischen fest verankerten Totschlagwörtern “Antisemitismus” und “Rassismus” werden alle konservativen, heimatliebenden und nationalen Kräfte, die
sich neben den Linksparteien und der noch geduldeten sog. politische Mitte (CDU) etablieren wollen, von vorneherein als moralisch minderwertige Rechtsextreme denunziert, diskriminiert, und mundtot gemacht.
Dies wohl wissend, daß wir Inländer uns gar nicht wehren können, weil der § 130 Strafgesetzbuch (Volksverhetzung) in der juristischen Praxis nur Ausländer, nicht aber ethnisch Deutsche schützt. Dabei nutzt es nichts, wenn sich rechtskonservative Parteien, wie etwa die Republikaner oder die Deutsche Soziale Union von wirklich rechtsextremen Parteien wie z.B. der NPD abgrenzen. Alles wird über einen Kamm geschoren, alles gilt als rechtsextrem. Und spricht ein Politiker
einmal des Volkes Wille aus, so wird er zum Rechtspopulisten. Damit hätte ich alle politischen Totschlagwörter beisammen, die im Übrigen alle längst “wikipediafähig”
sind. - Welch eine verrückte Zeit!
Und dies nennt sich dann “Demokratie” des 21. Jahrunderts!
Auf diese unheilvolle und für unsere deutsche Kultur und Identität letztendlich
zerstörend wirkende Entwicklung haben mutige und rechte Menschen wie z.B. Thilo Sarrazin, Udo Ulfkotte oder Eva Herman hingewiesen. Sie werden in unserer - ach so toleranten Gesellschaft - derzeit gerade noch geduldet. Aber wie lange noch?
Eine Mitschuld an dieser Entwicklung trägt m. E. der Zentralrat der Juden in Deutschland, der mit seinem jahrzehntelang vorgetragenen kollektiven Vorwurf des Antisemitismus’ und Rassismus’ es sogar unmöglich gemacht hat, daß
Einwanderer sich an der deutschen Leitkultur zu orientieren haben.
Und schließlich führte das alles zu dem ungeschriebenen Gesetz, wonach es
keinem deutschen Politiker erlaubt ist, den Staat Israel wegen seiner menschenverachtenden Haltung gegenüber dem von ihm besetzten Palästina zu
kritisieren. Diese Immunität, die Israel für sich in Anspruch nimmt, ist ein Mißbrauch des Holocaust für politische Zwecke. Bekanntlich sind die israelischen Siedlungen
völkerrechtswidrig. Vor allem die Politik um das dort knappe Wasser: Im Gazastreifen und im Westjordanland kontrolliert Israel 83 % der Wasserversorgung. Kinder jüdischer Siedler baden im eigenen Swimmingpool und nebenan verdursten
palästinensische Kinder.
Bis heute war das jüdische Volk nicht in der Lage, sich als friedliebendes Volk in die Völkergemeinschaft einzugliedern. Stattdessen besitzt es als eines der kleinsten
Staaten der Welt Atomwaffen und führt einen brutalen Dauerkrieg gegen die Palästinenser.
Um davon abzulenken, heuchelt der Zentralrat der Juden in arroganter und
selbstgerechter Weise den “Gutmenschen” in Deutschland. Erst wenn er mit gleichem Eifer für ein friedliches Nebeneinander im “heiligen Land” sorgt und dort die elementarsten Menschenrechte ermöglicht, wird der Rat glaubwürdig. Bis dahin
erntet er im deutschen Volk zu Recht Ablehnung und Verachtung.
Daher sollte der Zentralrat zuerst mal vor seiner eigenen Haustüre, dem jüdischen Staat kehren, anstatt sich hierzulande als die Gutmenschen aufzuführen !
Oder sollte der Nahostkrieg aus der Sicht der Juden karmische Ursachen haben?
Der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen (UN) verurteilt Israel
Auszüge aus der Resolution:
“Der Menschenrechtsrat
Der in Südafrika lebende Menschenrechtsexperte, Jurist und UN-Chefankläger RICHARD GOLDSTONE ist interessanterweise Jude. Wegen seines Berichts über
israelische Kriegsverbrechen im Gaza-Streifen wird er von der israelischen Regierung daher als “Nestbeschmutzer” angesehen (Schwäbische Zeitung v. 17.10.09).
“Wir nehmen den Palästinensern die Luft zum Atmen. Es sind Habenichtse”
von Felicia Langer in Weltbild 01/2001: 31-33
Verachtet und bedroht
Die Jüdin Felicia Langer flüchtete als Achtjährige 1939 vor den Nazis aus Polen nach Kasachstan. Bis auf die Mutter kommen alle Verwandten in den Todeslagern
ums Leben. Ihr Mann Mieciu überlebt fünf Konzentrationslager. Er wiegt 38 Kilo, als er 1945 aus Theresienstadt befreit wird. Mit ihm wandert sie 1950 nach Israel aus,
studiert Jura, eröffnet in Tel Aviv eine Anwaltspraxis. Nach dem Sechstage-Krieg 1967 zieht sie nach Jerusalem um. “Ich begriff, dass die, die Siegeslieder sangen,
die Lehre der Geschichte nicht verstanden haben”. 23 Jahre lang verteidigt Felicia Langer Tausende Palästinenser gegen die israelische Justiz. Sie wird von vielen
Israelis verachtet und bedroht, entkommt mehreren Attentatsversuchen. 1990 zieht sie nach Tübingen, wo ihr Sohn am Theater arbeitet. Für ihr Engagement als Menschenrechtlerin bekommt sie den Alternativen Nobelpreis und den Bruno
-Kreisky-Preis. 1998 zeichnet eine israelische Zeitschrift sie als eine der 50 bedeutendsten Frauen Israelis aus. Sie sagt “Weil wir Juden wissen, was es heißt zu leiden, dürfen wir andere nicht unterdrücken".
Die jüdische Anwältin Felicia Langer hat in Jerusalem Tausende Palästinenser vor israelischen Gerichten verteidigt. Vielen gilt sie als Verräterin, anderen als das gute Gewissen Israels. Sie lebt in Deutschland.
Kürzlich war sie eingeladen zur Polit-Talkshow. "Neunzehn-Zehn" beim Sender 3sat. Thema der Runde: die Krise in Nahost. Aber kurz vorm Termin kam übers
Mobiltelefon die Ausladung. Weil der Vertreter der israelischen Botschaft in Berlin sein Nichterscheinen angedroht haben soll, falls auch Felicia Langer (70) in der
Runde sitze. Die Israelin, Jüdin, Anwältin, Bürgerrechtlerin und Trägerin des Alternativen Nobelpreises ist vielen ihrer Landsleute ein Dorn im Auge. Sie ist eine mutige Frau.
Weltbild: Warum gewinnt zwischen Israelis und Palästinensern immer wieder die Gewalt über den Frieden? Felicia langer: Weil der Friedensprozess kein echter, kein glaubwürdiger ist. Israel
hat sich bei allen Verhandlungen immer bemüht, die wichtigsten Fragen auszuklammern. Die Frage, was aus den Millionen arabischen Flüchtlingen werden soll, die wir, die Israelis, vertrieben haben, oder die aus Angst vor Massakern
geflohen sind. Die Frage nach dem Recht auf Grund und Boden in den besetzten Gebieten, denn unsere Siedlungen sind völkerrechtswidrig. Vor allem die Frage
nach Wasser. Im Gazastreifen und im Westjordanland kontrolliert Israel 83 Prozent der Wasserversorgung. Kinder jüdischer Siedler baden im eigenen Swimmingpool und nebenan verdursten palästinensische Kinder. Man kann in der Wüste nicht
leben ohne Wasser.
Wb: Der Kampf der Palästinenser ist ein Kampf ums Überleben? Langer: Ja, weil wir sie strangulieren. Was ist denn tatsächlich passiert nach den
so genannten Autonomie-Abkommen? Die Palästinenser haben ein paar Städte bekommen, die autonom sind: Nablus, Hebron, Ramallah, Jericho und ein paar andere. Das ist kein zusammenhängendes Gebiet, das ist ein Flickenteppich. Wie
Löcher im Schweizer Käse, umzingelt von israelischen Siedlungen. Wie die Bantustans, die Homelands der Schwarzafrikaner früher in Südafrika. Und diese autonomen Flecken sind vom israelischen Militär umstellt. Wir riegeln sie ab, wir
beschließen, wer kommen und wer gehen darf. Die Palästinenser fühlen sich wie in Käfige eingesperrt. Und wir haben den Schlüssel dazu.
Wb: Und jetzt erleben wir den Gefangenenaufstand? Langer: Wir erleben Widerstand gegen die neue Apartheid. Weil wir ihnen die Luft zum Atmen nehmen. Was ist das für ein Friedensprozess, in dem wir um ein paar
Kilometer Land feilschen? Obwohl es die UNO Resolution 242 gibt, die besagt, dass wir die Gebiete, die wir 1967 im Sechstage-Krieg erobert haben, räumen müssen. Komplett. Weil Landnahme durch Krieg unzulässig ist. Aber Israel setzt
sich darüber hinweg. Es gab keine Regierung, auch nicht die von Jitzhak Rabin und Schimon Peres, die klar gesagt hat, wir gehen nach Hause, wir lösen die Siedlungen auf.
Wb: Das wäre die Lösung? Langer: Die Palästinenser haben sich ja auf einen Kompromiß eingelassen: ein lebensfähiger, souveräner palästinensischer Staat auf dem 1967 von Israel
besetzten Territorium mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt. Das sind ohnehin nur 22 Prozent des historischen Palästina. Und die Anerkennung Israels. Es kann im Augenblick nur diese eine Lösung geben: zwei Staaten für zwei Völker. Aber Israel
betreibt weiter die Politik der vollendeten Tatsachen, beschlagnahmt Land, baut die Siedlungen aus. Das ist eine Politik der Provokation und der Gleichgültigkeit gegenüber den Palästinensern. Das ist menschenverachtend.
Wb: Was bringen neue Verhandlungen? Langer Wir brauchen eine mutige Entscheidung, die besetzten Gebiete endlich freizugeben. Was ist bei dem ganzen Verhandeln herausgekommen? Dass man
einen Frieden vereinbart hat und es doch keinen gibt. Dass die Palästinenser weiter diskriminiert werden. Dass ihre Bewegungsfreiheit weiter eingeschränkt wird. Dass
sie zusehen müssen, wie ihre Häuser zerstört und ihre Olivenbäume vernichtet werden, um Straßen für die Siedler zu bauen. Sie leben in einer Situation von Frustration, Elend und Hoffnungslosigkeit. Und auch von Wut und Rachegefühlen,
von Hass.
Wb: Hass auf beiden Seiten? Langer: Ganz sicher. Denn diese ohnmächtige Wut, die wir mit unserer Politik aber erst erzeugt haben, ist der Nährboden für Gewalt. Jetzt ist das Pulverfass aus Wut
und Frust in die Luft gegangen. Jetzt erleben wir eine Gewaltspirale, und jede Gewaltspirale erweckt Hass. Jeder Tote ist ein Funke für noch mehr Explosionen.
Über 1500 Tote waren es bei der ersten Intifada von 1987 bis 1993. Jetzt zählen wir schon wieder Hunderte. Wobei das Verhältnis der palästinensischen Opfer zu den israelischen etwa 20 zu 1 beträgt. Wissen Sie, die Gummigeschosse, mit denen
unsere Soldaten schießen, das ist kein Kaugummi, kein Spielzeug Das sind Stahlkugeln mit dünnem Gummimantel. Auch diese Projektile töten.
Wb: Aus der Todesspirale gibt es keinen Ausweg? Langer: Aber ja doch. Es gibt eine Möglichkeit: die internationale Einmischung. Die Welt darf die Sache nicht nur den Amerikanern überlassen. Die stehen total auf
Seiten der israelischen Regierung. Ich sage mit Absicht nicht: auf Seiten Israels. Weil ich nicht glaube, dass die Politik von Israel pro-israelisch ist. Diese einseitige, schreckliche Politik ist eine Tragödie auch für uns.
Wb: Warum auch für Israel? Langer: Weil auch wir mit Blut bezahlen und mit Lebensqualität. Es ist kein normales Leben, wenn man immerzu fürchten muß, dass irgendwo etwas
explodiert. Und leider verlieren wir auch unsere Seele. Sehen Sie unsere Soldaten, die Scharfschützen: immer den Finger am Drücker. Sie zielen auf Kopf und Augen
oder auf die Wirbelsäule, damit die Menschen gelähmt sind. Und sie töten. Wenn man das so viele Jahre betreibt, zerstört das die Seele. Moralische Werte werden ausgelöscht.
Wb: Ist diese neue Indfada die Indfada der zweiten Generation? Langer: Die erste nimmt auch teil, aber ganz vorne bei den Straßenkämpfen sehen
wir junge Leute. Es ist ein Volksaufstand. Jetzt fordert man, Jassir Arafat solle ihn stoppen. Aber er hat ihn nicht ausgelöst, er kann ihn gar nicht stoppen. Auch wenn
er wollte. Es ist unmöglich, das per Befehl von oben zu stoppen. Weil die Wut so tief sitzt.
Wb: Wir sehen im Fernsehen Kinder und Jugendliche, die nach der Schule zum Steineschleudern gegen israelische Soldaten gehen. Werden sie geopfert für den Kampf? Langer:
Ich habe die erste Intifada erlebt. Ich habe die Kinder damals gesehen, die jungen Männer, ich sehe jetzt etwas ähnliches. Die werden nicht geschickt, die kommen von allein. Sie opfern sich selbst. Es ist sehr traurig, dass die Kinder, die
jungen Leute, das Leben nicht genug schätzen. Die Unversehrtheit. Dass die Gefühle von Wut und Frustration so stark sind, stärker, als der Instinkt zu leben. Weil das Leben so schlecht, weil die Hoffnungslosigkeit so schrecklich ist.
Wb: Die jungen Männer mit ihren Steinschleudern wirken wie David gegen Goliath ... Langer: Und sie sind es auch. Wenn wir uns schon die beiden Fronten anschauen:
Auf der einen Seite die israelische Armee, die Herren, die Herrscher, hoch aufgerüstet bis zur atomaren Bewaffnung. Auf der anderen Seite die Palästinenser. Die schießen auch scharf, die haben auch Gewehre, aber vor allem haben sie
Steine. Eine Armee von Habenichtsen, die seit 33 Jahren unter Besatzung leben. Die Kinder und jungen Leute haben nur Gewalt erlebt. Seit 33 Jahren atmen sie die Gewalt. Sie haben die zerstörten Häuser gesehen, sie haben mitbekommen, wie
Väter und Mütter geschlagen wurden. Das alles wirkt doch. Es ist eine Kultur von Gewalt, die wir mit unseren Taten erzeugt haben.
Wb: Wollen die Straßenkämpfer auch Helden, Märtyrer sein? Langer. Ihren Kampf sehen sie als Befreiung von kolonialer Besatzung. Natürlich wollen da viele auch Helden sein. Dazu kommt der Fundamentalismus, der ist
gefährlich. Aber auch den haben wir selbst geschürt. Die Fundamentalisten sprechen viel von Heldentum.
Wb: Was mag auf der anderen Seite, in den Köpfen der jungen israelischen Soldaten vor sich gehen? Langer: Ich fürchte, auch da ist Hass. Weil die Palästinenser stören im Leben. Es
könnte ja so angenehm sein, wenn man in Tel Aviv stationiert wäre. Statt dessen sitzt man auf der Westbank, und auch Steine sind gefährlich. Wir dürfen nicht vergessen: Auch die jungen Soldaten sind schon die zweite Generation. Die Väter
waren auch dort. Ihre Söhne sind politisch indoktriniert. Sie sagen: "Wir haben den Palästinensern autonome Gebiete gegeben. Sie haben so viel bekommen. Was wollen sie? Warum wehren sie sich? Warum gehen sie nicht zur Schule?" Es
spricht ja bei uns in Israel nicht jeder von Besatzung. Die Palästinenser sind für die Soldaten Barbaren. Wenn Barak sagt, Israel ist wie eine Villa im Dschungel, dann
verteidigen sie die Villa im Dschungel. Und gegen die Tiere im Dschungel und wer da sonst so lebt, da muß man sich entsprechend verhalten. Und dann schießt man.
Wb: Wenn auf beiden Seiten nur Hass ist, dann gibt es noch viele Tote? Langer: Nur Hass ist es auch nicht. Man darf auf beiden Seiten nicht
pauschalisieren. Es gibt viele Israelis, die müde sind vom Krieg. Die überhaupt nicht glücklich sind, und die auch nicht hassen. Wir haben auch eine Friedensbewegung,
wenn auch eine schwache, weil sie keine Unterstützung vom Ausland bekommt. Wir haben ein Reservoir an jungen Leuten, die eine Lösung wollen, die vollständige Räumung der besetzten Gebiete.
Wb: Heißt das, dass es eine andere Politik erst dann geben wird, wenn eines Tages diese jungen Leute regieren? Langer: Nicht automatisch. Frieden wäre auch jetzt möglich, aber nicht ohne
internationalen Druck, ohne Solidarität mit den Palästinensern und denen bei uns, die Frieden mit Gerechtigkeit wollen. Wenn Gerhard Schröder sagt, die Palästinenser hätten das Selbstbestimmungsrecht, dann ist das schön. Aber das
reicht nicht. Man muß dieses Selbstbestimmungsrecht auch verwirklichen. Alles andere ist Betrug. Etwas Scheinbares. Bis jetzt haben wir etwas Scheinbares. Man
verhandelt ohne Ende, man verkauft dieselbe Ware ein paar Mal, und jedes Mal sagt man, es sei ein Erfolg. Man kann aber die Menschen nicht die ganze Zeit betrügen.
Jetzt sagen sie, genug ist genug, Frieden heißt auch Brot, Frieden heißt auch Freiheit, Frieden heißt auch Würde.
Wb: Wirkt Arafat mäßigend in der Situation? Langer: Ich weiß es nicht, ich glaube aber, dass auch er sich betrogen fühlt.
Wb: Was passiert nach Arafat? Langer: Prophezeiungen für den Nahen Osten sind immer heikel. Nach Arafat werden andere kommen.
Wb: Die beim Volk auch ein solches Charisma haben? Langer: Da sehe ich keinen. Was ich aber heute schon weiß: Dieselbe Art von Verhandlungen würden die Palästinenser nicht akzeptieren. Die faulen
Kompromisse werden dann unmöglich sein. Es ist zynisch, aber ich sage es und es mag für Israel unangenehm sein: Israel muß in Betracht ziehen, dass es das Völkerrecht gibt. Anderenfalls wird die Saat für künftige Kriege gelegt.
Wb: Das ist eine Vision des Schreckens. Langer: Was ist so schrecklich daran, wenn man von Israel die Erfüllung des Völkerrechts verlangt? Das Problem ist Israels Verweigerungspolitik. Das macht
eine greifbare Vision so schwer. Deshalb wird es weitere Tote geben. Das ist traurig. Ich leide darunter. Aber soll man aufgeben und sagen, das ist nicht lösbar?
Es gibt da so eine Denkweise, dass alles, was Israel sagt, heilig ist. Ja stehen wir denn über dem Völkerrecht? Warum steht die Welt nicht auf, auch gegen die Amerikaner?
Wb: Was sind die Interessen Washingtons? Langer: Die USA unterstützen Israel fast blind. Wir sind eine regionale Großmacht und wir haben viel für die Amerikaner in Nahost getan. Früher als Bollwerk gegen
den Kommunismus, heute gegen den Fundamentalismus oder die nationalen Bewegungen der Araber. Das Zweite ist der Einfluß der pro-israelischen Lobby in Amerika, des organisierten Judentums, das in der Politik mitmischt. Wir müssen da
aber vorsichtig sein, denn nicht alle Juden sind reich in Amerika und nicht alle sind einflußreich. Es gibt auch dort Juden, die gegen die exzessive Gewalt gegen die
Palästinenser protestieren, die wissen, dass die Zwei-Staaten-Lösung die einzige Rettung ist. Aber das organisierte Judentum ist total verblendet. Hillary Clinton
mußte sich dafür entschuldigen, dass sie beim Staatsbesuch Arafats Frau geküßt hat, obwohl das nach dem Protokoll ganz normal war. Das ist beschämend. Das Verhalten dieser Lobby, auch das ist eine Tragödie für Israel. Dann ist da noch
etwas, und es fällt mir schwer, das zu sagen, aber ich muß es tun: Diese Immunität, die Israel für sich in Anspruch nimmt, ist ein Mißbrauch des Holocaust für politische Zwecke. Ich habe das Recht, das zu sagen, weil ich eine Holocaust
-Überlebende bin. Meine ganze Familie wurde vernichtet. Mein Mann hat fünf Konzentrationslager knapp überlebt.
Wb: Wie viele Ihrer Familie wurden getötet? Langer: Die ganze Verwandtschaft. Nur meine Mutter und ich, wir konnten uns retten. Aber der Holocaust rechtfertigt nicht, dass Israel alles tun darf, was es tut.
Wenn unsere Soldaten Kinder töten in den besetzten Gebieten, das soll nur zu unserer Verteidigung sein? Das ist falsch und das ist Mißbrauch des Holocaust und nicht das Vermächtnis seiner Opfer.
Wb: Sie sagen, ein Teil der Opfer ist zu Tätern geworden? Langer: Leider ist das die Wahrheit. Dabei hätten wir jetzt so viele Möglichkeiten, das wieder gutzumachen, was wir im Nahen Osten angerichtet haben. Aber wir
wollen es nicht. Nicht das Volk, die Herrschenden wollen es nicht. Die gegenwärtige Politik Israels ist anti-israelisch. Das tut mir wohl. Ich bin Israelin, nicht nur als
Staatsbürgerin, ich bin israelische Patriotin, meine Träume sind Israel.
Wb: Sie sind Jüdin. Sie haben von 1967 bis 1990 Tausende Palästinenser in Jerusalem vor israelischen Militärgerichten verteidigt. Warum? Langer
: Weil ich mit der Ungerechtigkeit nicht leben konnte. Ich wollte helfen, ich wollte auch das andere Gesicht meines Volkes zeigen. Ich wollte Brücken schlagen.
Wb: Was haben Sie erlebt? Langer:. Ich habe Menschen verteidigt, die es wagten, verbotene Bücher zu lesen, Gedichte über verbotene Themen zu schreiben, Bilder in den Farben der
palästinensischen Flagge zu malen. Und ich habe immer wieder Menschenrechtsverletzungen erlebt: Folterungen während des Verhörs, das Zerstören von Häusern als Kollekiv-Strafe, Deportationen, Haftanordnungen ohne Gerichtsverfahren.
Wb: Sie wurden damals als Verräterin an den Juden beschimpft. Auch bedroht. Es gab einen Attentatsversuch. Langer: Viele, nicht nur einen.
Wb: Man hat versucht, Sie mit einem Auto zu ermorden. Langer: Es war eine Situation, in der ich mich nicht allein bewegen konnte. Ich brauchte Leibwächter. Aber ich habe die Angst verdrängt. Ich habe allerdings sehr
viel Trauer fühlt. Weil auch ich auf Liebe angewiesen bin. Und mit Hass ist sehr schwer zu leben.
Wb: Sie wurden die "Mutter Courage der besetzten Gebiete" genannt. Sie haben dann, 1990, ihre Kanzlei geschlossen, sogar das Land verlassen. Hatte Sie der Mut verlassen? Langer
: Nein, ich habe nicht aufgegeben. Ich sagte mir: Felicia, was tust du hier? Das ganze Rechtssystem der Militär-Justiz während der Intifada war eine Farce. Und ich sollte ihr Alibi sein, das Feigenblatt für eine Rechtsordnung, die keine
demokratische war. Das Büro zu schließen war eine Demonstration. Ich war ja eine Institution in Israel. Aber ich wollte weiter kämpfen. Mit Büchern, mit Vorträgen.
Wb: Warum sind Sie und Ihr Mann, Verfolgte der Nazis, dann ausgerechnet nach Deutschland gezogen? Langer: Ich hatte gute Beziehungen zur Friedensbewegung in Deutschland. Und
mein Mann sagte: Man kann das ganze Volk nicht für immer verdammen. Wir haben hier viele Freunde gefunden. Wir haben aus dem Holocaust eine andere Lehre gezogen als diejenigen, die nur mit Hass leben. Unsere Lehre ist
Menschlichkeit, nie mehr Faschismus, nie mehr Antisemitismus, nie mehr Gleichgültigkeit. Für mich ist wichtig, dass wir aus dem Holocaust lernen. Es ist das Vermächtnis der Ermordeten, nicht zu schweigen, sondern unermüdlich jede Art
von Rassismus zu bekämpfen, die Würde und die Rechte des Menschen, wer immer es auch sei, zu verteidigen. Dies ist die Verpflichtung der Deutschen für alle Zeiten, aber nicht nur ihre. Aus Achtung vor dem Andenken an die Opfer des
Holocaust und im Geist ihres Vermächtnisses, das Menschlichkeit heißt, prangere ich die Unterdrückung der Palästinenser durch Israel an, das Unrecht, das ihnen angetan wird.
Wb: Wieder Rassismus in Deutschland, die Jagd auf Ausländer was fühlen Sie? Langer:. Das gibt’s überall in Europa, nicht nur in Deutschland. Obwohl man hier
wegen der Vergangenheit sicher wachsamer sein muß. Aber die Mehrheit ist doch klar dagegen, sie muß nur aktiv eingreifen. Was mir zu schaffen macht ist, wenn
ich von der "Leitkultur höre oder "Kinder statt Inder". Für mich sind das Argumente zur Unterstützung des Rechtsradikalismus. Die Politik muß höllisch aufpassen, darf
nicht ein Klima schaffen, das den neuen Nazis Auftrieb gibt. Solche Parolen dürfen nicht salonfähig werden.
Wb: Wo ist Ihre Heimat? Wo ist Ihr zu Hause? Langer: Heimat ist Israel. Zu Hause ist Deutschland. Ich möchte Rosa Luxemburg zitieren. Sie hat gesagt: Ich fühle mich überall zu Hause, wo es Wolken, Vögel und
Menschentränen gibt. Ich möchte das ergänzen: Ich fühle mich überall zu Hause, wo man sich zusammen mit anderen für Menschlichkeit einsetzen kann.
"lch bin eine verwaiste Mutter – ich kann sagen, was ich will”
von Nurit Peled Elhanan in der Zeitschrift “Brigitte” 21/2002: 178-182
Die Israelin Nurit Peled Elhanan redet Klartext, wenn es um die Politik ihrer Regierung geht. Ihr gibt sie eine Mitschuld am Tod ihrer 13jährigen Tochter, die bei
einem palästinensischen Anschlag starb. Von den israelischen Medien wird sie totgeschwiegen, von der EU bekam sie einen Friedenspreis.
Im Wohnzimmer von Nurie Peled Elhanan steht ein Foto in Schwarzweiß. Es zeigt ein pausbäckiges fünfjähriges Mädchen mit Trotz im Gesicht und einem Pappschild
in der Hand: "Dai le kibush" "Beendet die Besetzung". Ein Schnappschuss, aufgenommen vor 14 Jahren bei einer Veranstaltung der "Frauen in Schwarz", zu
der Nurit Peled Elhanan mit ihrer Tochter Smadar gegangen war: Israelische Frauen protestierten damals wie heute an jedem Freitag in Jerusalem gegen die Besetzung der palästinensischen Gebiete durch israelische Truppen.
Smadar ist tot. Sie starb 1997 bei einem von Palästinensern verübten Selbstmordattentat in Jerusalem. Erst kürzlich war Nurit Peled Elhanan, 53 und Dozentin für Literatur und Pädagogik an der Universität in Jerusalem, wieder bei
einer Veranstaltung der "Frauen in Schwarz". "Mein kleines Mädchen wurde getötet", sagte sie dort in einer Rede, "nur weil es als Israeli geboren wurde. Der Täter war
ein junger Mann, der so viel Hoffnung verloren hatte, dass er zu Mord und Selbstmord bereit war nur weil er als Palästinenser geboren wurde."
Eigentlich liegt zwischen Ramallah und Jerusalem nur eine halbe Autostunde. Aber manchmal braucht man viel länger. Kommt auf den Stau vor den Checkpoints an. Auf die Laune der israelischen Soldaten. Auf die richtigen Papiere.
Kein Wunder also, dass Nurit dem palästinensischen Schriftsteller Izzat Ghazzawi aus Ramallah nie begegnet war. Wie sie engagiert sich auch Ghazzawi für Frieden
und Verständigung zwischen Palästinensern und Israelis. Er ist Vorstandsmitglied des Palästinensischen Rates für Gerechtigkeit und Frieden und steht im ständigen
Kontakt zu israelischen Schriftstellern. Und auch er verlor ein Kind: Sein 16 Jahre alter Sohn wurde 1993 von israelischen Soldaten erschossen, als er einem verletzten Freund auf dem Schulhof helfen wollte.
Die israelische Mutter und der palästinensische Vater trafen sich das erste Mal am 12. Dezember 2001, als das Europäische Parlament beide mit dem Sacharow-Preis für die Freiheit des Geistes auszeichnete. Sie mochten sich auf Anhieb und
wollten sich wiedertreffen und gemeinsam in der Öffentlichkeit auftreten. Doch "Checkpoints und SuicideBomber verhindern unsere Bemühungen", schreibt Izzat Ghazzawi aus Ramallah an Nurit. Vor dem Europäischen Parlament sagte der
Schriftsteller: "Leiden kann als Kraft zum Heilen genutzt werden. Das Prinzip Auge um Auge macht die ganze Welt blind."
Ihre Worte zur Preisverleihung änderte Nurit kurzfristig: Sie widmete ihre Rede zwei palästinensischen Kindern, die am Tag zuvor von der israelischen Armee getötet
worden waren die Raketen hatten das Ziel verfehlt, eigentlich hätten sie einen führenden Aktivisten des Islamischen Dschihad treffen sollen. In ihrer Rede sagte Nurit: “Unser Krieg ist nicht der zwischen dem israelischen und dem
palastinensischen Volk. Es ist ein Krieg der Lebenszerstörer, die sich unsere Staatschefs nennen, gegen das eine wie das andere Volk."
Minutenlanger stehender Applaus im Europäischen Parlament folgte ihren Worten. Der Fernsehsender "arte" übertrug die bewegende Zeremonie live. Den israelischen
Medien dagegen war dieser renommierte Preis, den als Erster Nelson Mandela erhielt, keine Zeile wert.
Es war im Sommer vor fünf Jahren. Smadar, fast 14 Jahre alt, verdient ihr erstes eigenes Geld als Babysitter. Das kleine Mädchen wird plötzlich unabhängig Ein
Freund schneidet ihre langen, glänzenden Haare raspelkurz zart und elegant, feminin sieht sie plötzlich aus. Sie reist in den Ferien mit ihrer Großmutter und
ihrem großen Bruder Guy nach Italien. Und kommt als eine andere zurück. "Guy hat gesagt, ich bin schön", erzählt sie ihrer Mutter. Er hatte ihr ein schmales Kleid
geschenkt die weiten Klamotten mit den lässig angerissenen Kragen, die ausgelatschten Sandalen verschwinden im Schrank.
Am Morgen des 4. September 1997 hätten sich Smadar und ihre Mutter fast gestritten: "Du kannst mir nicht verbieten, mich in meiner eigenen Stadt zu bewegen
!", fährt die sonst so zurückhaltende Smadar ihre Mutter an. "Du bist nie so gewesen, du kannst nicht jetzt plötzlich damit anfangen." Nurit will antworten: "Das
ist nicht deine Stadt, es ist eine furchtbare Stadt..." Es hatte Warnungen gegeben. Nach dem Mord an Premier Jitzhak Rabin war der Friedensprozess, vor allem die schrittweise Rückgabe besetzten Landes, ins Stocken geraten. Fünf Wochen
vorher hatten sich zwei Selbstmord-Attentäter in Jerusalem, im Gewühl des Mahane-Yehoda-Marktes, in die Luft gejagt und 15 Menschen getötet. Die radikalislamische Bewegung Hamas hatte die Verantwortung übernommen und
weitere Attentate angedroht.
Doch Smadar ist gut gelaunt an diesem Morgen. Sie will nach der Schule mit ihrer besten Freundin Sivan im Zentrum von Jerusalem Bücher kaufen und ein wenig
bummeln. "Um drei Uhr sind doch fast alle Läden geschlossen und kaum Leute auf der Straße." Nurit hat überhaupt keine Lust, sich morgens um halb acht mit ihrer
Tochter zu streiten: "Am Ende hätte sie die Tür zugedonnert, ich hätte mich schlecht gefühlt, und sie wäre nach der Schule ohne meine Erlaubnis ins Zentrum gegangen. Aber ich habe mich zu Tode gefürchtet."
"lch, die ich meine Tochter verloren habe, weiß, dass der Tod eines jeden Kindes den Tod der Welt bedeutet."
"Da war eine Bombe...", stammelt ein Freund von Guy am Nachmittag ins Telefon, er selbst ist voller Glassplitter. Er hatte Smadar und Sivan in der Fußgängerzone
BenJehuda getroffen, kurz darauf hörte er eine gewaltige Explosion. Die beiden Mädchen waren direkt in die zweite Bombe hineingerannt: Drei palästinensische Selbstmord-Attentäter hatten kurz nacheinander ihre Sprengstoffgürtel gezündet.
Sie verletzten 180 Menschen und töteten fünf, darunter Smadar Peled Elhanan.
"Wäre ich da gewesen, ich hätte sie gerettet. Sicher, ganz sicher.” Dieser Gedanke kreist bis heute in Nurits Kopf. Irgendwie sie hätte sich auf sie geworfen, wäre mit
ihr in die andere, die richtige Richtung gerannt, wie auch immer, sie hätte ihr unschuldiges Kind gerettet. "lch hatte morgens schon diese Angst. Ich habe sie
trotzdem gehen lassen. " Auch dieser Gedanke bleibt. "Die Araber nennen so etwas eine Prophezeiung."
"Es braucht so wenig, ein Kind zu töten, und so viel, es am Leben zu erhalten."
Der Tag danach. Als Nurit morgens um sechs Uhr mit dem Hund spazieren gehen will, drängen sich Horden von Journalisten vor dem Gartentor. Kameras und Mikrofone folgen ihr, schließlich stellt jemand die Frage, deren Antwort auch durch
die internationale Presse gehen wird: "Wen halten Sie für verantwortlich für den Tod Ihrer Tochter?" Nurit sagt: "Die Politik der israelischen Regierung."
Während der Trauertage kommt die Familie nicht zur Ruhe. Im Wohnzimmer drängeln sich Journalisten und Politiker, Verwandte und Freunde israelische und auch palästinensische. Als der konservative Bürgermeister Ehud Olmert kommt,
verschwindet sie demonstrativ in ihrem Zimmer. Als Premier Benjamin Netanjahu, ein ehemaliger Jugendfreund, anruft und fragt, ob er zur Beerdigung kommen soll,
antwortet sie: “Nein." Regierungsvertretern will sie weder die Hand schütteln noch für Beileidsbekundungen danken.
"Meine Schwestern sind die verwaisten Mütter, Israelis und Palästinenserinnen, die in Israel leben, in Gaza und in den Flüchtlingslagern."
Nurit war auch vor Smadars Tod schon entschieden gegen die israelische Besetzung der Westbank und des Gaza-Streifens. Ihr Vater Matti Peled war zwar im Sechs-Tage-Krieg als General an der Besetzung dieser palästinensischen
Gebiete beteiligt. Aber ein Jahr nach Kriegsende wechselte er die Fronten, als klar wurde, dass Israel sich nicht zurückziehen und über Frieden verhandeln würde. In
den siebziger Jahren gehörte er zu einer Gruppe von linken Israelis, die sich als Erste heimlich mit einer PLO-Delegation und später auch mit Arafat trafen. “Ich
habe zu meinem Vater eigentlich nie eine private Beziehung gehabt", sagt sie. "Er war eine öffentliche Person, ein großer, kräftiger Mann, und ich habe ihn bewundert für das, was er tat."
Sie schreibt Artikel, spricht auf Friedensdemonstrationen. Sie stellt ihren Namen, ihre Popularität allen Friedensgruppen zur Verfügung, wenn sie darum gebeten wird
. "Ich habe niemals irgend etwas initiiert. Wenn mich jemand nach meiner Meinung fragt, sage ich, was ich denke. Das ist alles." Ihre Meinung ist unbequem und wird
nur von wenigen Israelis geteilt. Nurit wurde allerdings nie bedroht im Gegensatz zu anderen Friedensaktivisten. “Ich bin eine verwaiste Mutter", erklärt sie, "deshalb kann ich sagen, was ich will."
,Jedes Attentat ist ein Glied in einer Kette von grauenhaften, blutigen Ereignissen, die 34 Jahre zurückreichen und alle einen einzigen Grund haben: eine brutale Besetzung."
Hinter einer großen alten Palme steht das sandsteinfarbene zweistöckige Haus von Nurit im ruhigen Jerusalemer Wohnviertel Rechavia. Eine Außentreppe mit Blumentöpfen auf jeder Stufe fahrt in den ersten Stock. Die Haustür fliegt auf,
kräftige Schritte im Flur, Nurit ist nach Hause gekommen, füllt die Wohnung mit ihrer lebendigen warmen Stimme. Yigal, der zehn Jahre alte Sohn, ist da und die Haushaltshilfe auch. Yigal soll bitte den Video-Rekorder jetzt ausmachen. Der
Zehnjährige rutscht wenig begeistert vom Sofa. "Es ist das Einzige, was er noch gucken kann", sagt Nurit entschuldigend, “wir haben vor kurzem den Fernseher
abgemeldet. Wir haben genug Nachrichten gehört. Es reichte uns." Die Wände im Wohnzimmer sind voll mit Bildern und Fotos von Smadar. Sie ist allgegenwärtig in
diesem Haus, das schon Nurits Großmutter gehörte. Heute lebt Nurit hier mit Rami, ihrem Mann, und dem jüngsten Sohn Yigal. Guy und Elik, die beiden Älteren, studieren in Paris, wie Nurit früher. Sie telefonieren täglich.
Den Söhnen galt ihr erster Gedanke, nachdem sie von Smadars Tod erfahren hatte: Sie sollten nicht denken, dass sie mit der Schwester auch ihre Mutter verloren
haben. “Ich kenne Mütter, die nach so einer Tragödie innerlich gestorben sind. Sie sind der wandelnde Tod." Nurit hat sich das nicht erlaubt. “Ich habe drei Söhne. Ich
muss jeden Morgen aufstehen. Für sie. Und sie tun das Gleiche."
Oft denkt sie daran, Israel zu verlassen. Aber Rami, ihr Mann, würde kaum mitkommen. Er ist GrafikDesigner und könnte in keinem anderen Land leben. "Er arbeitet mit der Atmosphäre, mag die Gerüche, die Ausblicke, das Licht, die
Menschen, das Essen. Er ist hier verwurzelt." Und sie selbst? Ja, die Pässe wären fertig zur Abreise aber sie liebt ihre Freunde, ihr Haus und vor allem ihre Arbeit als
Dozentin. Sie weiß, dass sie damit in Israel mehr bewirken kann als an einem anderen Ort in der Welt. “Aber was zählt das, wenn du um dein Leben rennen solltest?"
Bei der Arbeit stolpert Nurit manchmal in Schulbüchern über Feststellungen wie diese: Jerusalem sei immer die Hauptstadt der Juden gewesen außer in den 2000
lahren, in denen wir nicht da waren. "Das hört sich für Außenstehende völlig verrückt an, Israelis finden das ganz normal." Deshalb erinnert sie ihre Studenten
gern an die jüdische Tradition: Lass den Rabbi nicht auf seinem Wissen schlafen. Unterbrich ihn, stell Fragen. Im Talmud gibt es keine einzig richtige Antwort. Es gibt
diese Auffassung und jene. “Das ist die jüdische Art: Dinge offen zu lassen, mit einer Frage am Ende, nicht mit einer Antwort." Wäre diese Tradition des Dialoges
auch bei Politikern lebendig, wären die Friedensgespräche vielleicht nicht gescheitert. "Aber sie meinen, Dialog bedeutet zu manipulieren. Es ist wie Krieg für
sie", sagt Nurit. "Du musst alles zur Seite räumen, um etwas Neues zu beginnen. Aber keiner war je dazu bereit" weder Israelis noch Palästinenser.
New York, Ende März 2002: Auf-dem Platz vor dem UN-Hauptgebäude stehen 1050 Särge in langen Reihen. Viele große, einige erschreckend kleine. 800 sind bedeckt
mit palästinensischen Flaggen, 250 mit israelischen. Sie erinnern symbolisch an die Toten der zweiten Intifada. Tatsächlich sind bis zu diesem Tag mehr als 1400 Menschen umgekommen, inzwischen sind es mehr als 2000. Am Rand des
Platzes lässt sich eine kleine Gruppe von Israelis und Palästinensern unter einem Transparent fotografieren: "Better have pains of prace than agonies of war", ein Zitat
des ermordeten israelischen Premiers Jitzhak Rabin: "Die Schmerzen des Friedens sind besser als die Qualen des Krieges". Auch Nurit steht mit ihrem
jüngsten Sohn Yigal unter diesem Transparent. Unterstützer des "Bereaved Parents Circle for Peace" haben diese Aktion organisiert. In diesem Kreis haben sich
israelische und palästinensische Eltern zusammengeschlossen, die ihre Kinder in dem Konflikt verloren haben und sich für Verständigung zwischen den Völkern engagieren. Drei Wochen lang reist die gemischte Gruppe durch die USA. Sie
besuchen Kirchen, Moscheen und Synagogen und erzählen ihre Geschichten.
"Wir waren wie Geschwister", sagt Nurit, als sie wieder in Jerusalem ist. "Wir waren uns nah, lachten über die gleichen Witze. Fühlten uns zu Hause miteinander. Und
würden diese mafiosen Politiker mit ihren Spielen aufhören, könnten wir hier einen wundervollen Flecken Erde haben.”
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