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Köstliches
aus der Feder des von mir hochverehrten großen deutschen Zeichners und Dichters Wilhelm Busch (* 15.4. 1832 um 5:55 Uhr, + 9.1.1908)
Mit einer Horoskopzahl von 821 lag Busch 139 Punkte über dem Durchschnitt. Er war daher ein betont spiritueller Mensch mit einer hochentwickelten Seele bereits bei der Geburt.
Esoterische Erkenntnis
Du hast das schöne Paradies verlassen,
Tratst ein in dieses Labyrinthes Gassen, Verlockt von lieblich winkenden Gestalten, Die Schale dir und Kranz entgegenhalten; Und unaufhaltsam zieht's dich weit und weiter. Wohl ist ein leises Ahnen dein Begleiter,
Ein heimlich Graun, daß diese süßen Freuden Dich Schritt um Schritt von deiner Heimat scheiden, Daß Irren Sünde, Heimweh dein Gewissen; Doch ach, umsonst! Der Faden ist zerrissen.
Hohläugig faßt der Schmerz dich an und warnt, Du willst zurück, die Seele ist umgarnt. Vergebens steht ob deinem Haupt der Stern. Einsam, gefangen, von der Heimat fern, Ein Sklave, starrst du in des Stromes Lauf
Und hängst an Weiden deine Harfe auf. Nun fährst du wohl empor, wenn so zuzeiten Im stillen Mondeslichte durch die Saiten Ein leises wehmutsvolles Klagen geht Von einem Hauch, der aus der Heimat weht.
Die Vorteile der Selbstkritik
Die Selbstkritik hat viel für sich. Gesetzt den Fall, ich tadle mich;
So hab' ich erstens den Gewinn Daß ich so hübsch bescheiden bin; Zum zweiten denken sich die Leut, Der Mann ist lauter Redlichkeit; Auch schnapp' ich drittens diesen Bissen Vorweg den andern Kritiküssen;
Und viertens hoff' ich außerdem Auf Widerspruch, der mir genehm. So kommt es denn zuletzt heraus, Daß ich ein ganz famoses Haus.
Der Traum
Ich weiß ein Märchen hübsch und tief. Ein Hirtenknabe lag und schlief. Da sprang heraus aus seinem Mund
Ein Mäuslein auf den Heidegrund. Das weiße Mäuslein lief sogleich Nach einem Pferdeschädel bleich, Der da schon manchen lieben Tag In Sonnenschein und Regen lag. Husch! ist das kleine Mäuslein drin,
Läuft hin und her und her und hin, Besieht sich all die leeren Fächer, Schaut listig durch die Augenlöcher Und raschelt so die Kreuz und Quer Im alten Pferdekopf umher.
– Auf einmal kommt 'ne alte Kuh,
Stellt sich da hin und macht Hamuh! Das Mäuslein, welches sehr erschreckt, Daß da auf einmal wer so blökt, Springt, hutschi, übern Heidegrund Und wieder in des Knaben Mund. –
Der Knab erwacht' und seufzte: "Oh,
Wie war ich doch im Traum so froh! Ich ging in einen Wald hinaus, Da kam ich vor ein hohes Haus, Das war ein Schloß von Marmelstein. Ich ging in dieses Schloß hinein. Im Schloß sah ich ein Mädchen stehn,
Das war Prinzessin Wunderschön. Sie lächelt freundlich und bekannt, Sie reicht mir ihre weiße Hand, Sie spricht: ,Schau her, ich habe Geld, Und mir gehört die halbe Welt; Ich liebe dich nur ganz allein,
Du sollst mein Herr und König sein. Und wie ich fall' in ihren Schoß, Ratuh! kommt ein Trompetenstoß. Und weg ist Liebchen, Schloß und alles Infolge des Trompetenschalles."
Scheinheiligkeit
Wie schad, daß ich kein Pfaffe bin. Das wäre so mein Fach. Ich bummelte durchs Leben hin
Und dächt' nicht weiter nach.
Mich plagte nicht des Grübelns Qual, Der dumme Seelenzwist, Ich wüßte ein für allemal, Was an der Sache ist.
Und weil mich denn kein Teufel stört,
So schlief' ich recht gesund, Wär' wohlgenährt und hochverehrt Und würde kugelrund.
Käm' dann die böse Fastenzeit, So wär' ich fest dabei, Bis ich mich elend abkasteit
Mit Lachs und Hühnerei.
Und dich, du süßes Mägdelein, Das gern zur Beichte geht, Dich nähm' ich dann so ganz allein Gehörig ins Gebet.
Naturschutz-Tragödie
Sie war ein Blümlein hübsch und fein, Hell aufgeblüht im Sonnenschein. Er war ein junger Schmetterling,
Der selig an der Blume hing. Oft kam ein Bienlein mit Gebrumm Und nascht' und säuselt' da herum. Oft kroch ein Käfer kribbelkrab Am hübschen Blümlein auf und ab. Ach Gott, wie das dem Schmetterling
So schmerzlich durch die Seele ging. Doch was am meisten ihn entsetzt, Das Allerschlimmste kam zuletzt. Ein alter Esel fraß die ganze Von ihm so heiß geliebte Pflanze.
Die Strafe aus dem Jenseits
Es hatt' ein Müller eine Mühl An einem Wasser kühle;
Da kamen hübscher Mädchen viel, Zu mahlen in der Mühle.
Ein armes Mädel war darunt, Zählt sechzehn Jahre eben; Allwo es ging, allwo es stund, Der Müller stund daneben.
Er schenkt ein Ringlein ihr von Gold, Daß er in allen Ehren Sie ewig immer lieben wollt; Da ließ sie sich betören.
Der Müller, der war falsch von Sinn:
"Wenn ich mich tu vermählen, So will ich mir als Müllerin Wohl eine Reiche wählen."
Da 's arme Mädel das vernahm, Wird's blaß und immer blasser
Und redt nit mehr und ging und kam Und sprang ins tiefe Wasser.
Der Müller kümmert sich nicht viel, Tat Hochzeitleut bestellen Und führt mit Sang und Saitenspiel
'ne andre zur Kapellen.
Doch als man auf die Brücke kam, Fängt's Wasser an zu wogen Und zischt und rauscht verwundersam Herauf bis an den Bogen.
Die weiße Wassernixe stand Auf schaumgekrönter Welle; Sie hält in ihrer weißen Hand Von Gold ein Ringlein helle.
"Du Falscher, deine Zeit ist aus!
Bereite dich geschwinde! Dich ruft hinab ins kalte Haus Die Mutter mit dem Kinde."
Liebeserklärung
Wärst du ein Bächlein, ich ein Bach So eilt' ich dir geschwinde nach. Und wenn ich dich gefunden hätt'
In deinem Blumenuferbett, Wie wollt ich mich in dich ergießen Und ganz mit dir zusammenfließen, Du vielgeliebtes Mädchen du! Dann strömten wir bei Nacht und Tage Vereint im süßen Wellenschlage Dem Meere zu.
Das Alter
Wenn ich dereinst ganz alt und schwach, Und 's ist mal ein milder Sommertag, So hink' ich wohl aus dem kleinen Haus
Bis unter den Lindenbaum hinaus. Da setz' ich mich denn im Sonnenschein Einsam und still auf die Bank von Stein, Denk' an vergangene Zeiten zurücke Und schreibe mit meiner alten Krücke Und mit der alten zitternden Hand W i l h e l m
So vor mir in den Sand.
Schläue
Es saß ein Fuchs im Walde tief. Da schrieb ihm der Bauer einen Brief:
So und so, und er sollte nur kommen, 's wär' alles verziehn, was übelgenommen. Der Hahn, die Hühner und Gänse ließen Ihn alle zusammen auch vielmals grüßen. Und wann ihn denn erwarten sollte
Sein guter, treuer Krischan Bolte. Drauf schrieb der Fuchs mit Gänseblut: Kann nicht gut. Meine Alte mal wieder Gekommen nieder! Im übrigen von ganzer Seele Dein Fuchs in der Höhle.
Wichtige Lebenserkenntnis
Früher, da ich unerfahren Und bescheidner war als heute, Hatten meine höchste Achtung Andre Leute.
Später traf ich auf der Weide Außer mir noch mehre Kälber, Und nun schätz' ich, sozusagen, Erst mich selber.
Der Weise
Es stand vor eines Hauses Tor Ein Esel mit gespitztem Ohr,
Der käute sich sein Bündel Heu Gedankenvoll und still entzwei. – Nun kommen da und bleiben stehn Der naseweisen Buben zween, Die auch sogleich, indem sie lachen, Verhaßte Redensarten machen,
Womit man denn bezwecken wollte, Daß sich der Esel ärgern sollte. Doch dieser hocherfahrne Greis Beschrieb nur einen halben Kreis, Verhielt sich stumm und zeigte itzt Die Seite, wo der Wedel sitzt.
Gehemmte Spendenbereitschaft
Ach, wie geht's dem heil'gen Vater! Groß und schwer sind seine Lasten, Drum, o Joseph, trag den Gulden
In Sankt Peters Sammelkasten!"
So sprach im Seelentrauerton Die Mutter zu dem frommen Sohn. Der Joseph, nach empfangner Summe, Eilt auch sogleich ums Eck herumme,
Bis er das Tor des Hauses fand, Wo eines Bockes Bildnis stand, Was man dahingemalt mit Fleiß Zum Zeichen, daß hier Bockverschleiß. Allhier in einen kühlen Hof Setzt sich der Joseph hin und soff.
Und aß dazu, je nach Bedarf, Die gute Wurst, den Radi scharf, Bis er, was gar nicht lange währt, Sankt Peters Gulden aufgezehrt. Nun wird's ihm trauriglich zu Sinn Und stille singt er vor sich hin:
"Ach der Tugend schöne Werke, Gerne möcht' ich sie erwischen, Doch ich merke, doch ich merke, Immer kommt mir was dazwischen."
Unerträgliche Wahrheit
Es saßen einstens beieinand Zwei Knaben, Fritz und Ferdinand. Da sprach der Fritz: "Nun gib mal acht,
Was ich geträumt vergangne Nacht: Ich stieg in einen schönen Wagen, Der Wagen war mit Gold beschlagen. Zwei Englein spannten sich davor, Die zogen mich zum Himmelstor. Gleich kamst du auch und wolltest mit
Und sprangest auf den Kutschentritt. Jedoch ein Teufel schwarz und groß, Der nahm dich hinten bei der Hos' Und hat dich in die Höll getragen. Es war sehr lustig, muß ich sagen." — So hübsch nun dieses Traumgesicht,
Dem Ferdinand gefiel es nicht. Schlapp! schlug er Fritzen an das Ohr, Daß er die Zippelmütz verlor. Der Fritz, der dies verdrießlich fand, Haut wiederum den Ferdinand; Und jetzt entsteht ein Handgemenge,
Sehr schmerzlich und von großer Länge. So geht durch wesenlose Träume Gar oft die Freundschaft aus dem Leime.
Analogie zum Bettler und dem reiche Prasser
Mich wurmt es, wenn ich nur dran denke. Es saß zu München in der Schenke Ein Protz mit dunkelroter Nase
Beim elften oder zwölften Glase. Da schlich sich kümmerlich heran Ein armer alter Bettelmann, Zog vor dem Protzen seinen Hut Und fleht: "Gnä' Herr, ach sein S' so gut!" Der Protz jedoch, fuchsteufelswild,
Statt was zu geben, flucht und schilt: "Gehst 'raus, du alter Lump, du schlechter!" Nix möcht' er als grad saufen, möcht' er!
Mißverständnis
Die Rose sprach zum Mägdelein: "Ich muß dir ewig dankbar sein, Daß du mich an den Busen drückst
Und mich mit deiner Huld beglückst."
Das Mägdlein sprach: "O Röslein mein, Bild dir nur nicht zuviel drauf ein, Daß du mir Aug' und Herz entzückst.
Ich liebe dich, weil du mich schmückst!"
Was ist Humor?
Es sitzt ein Vogel auf dem Leim, Er flattert sehr und kann nicht heim.
Ein schwarzer Kater schleicht herzu, Die Krallen scharf, die Augen gluh. Am Baum hinauf und immer höher Kommt er dem armen Vogel näher. Der Vogel denkt: Weil das so ist Und weil mich doch der Kater frißt,
So will ich keine Zeit verlieren, Will noch ein wenig quinquilieren Und lustig pfeifen wie zuvor. Der Vogel, scheint mir, hat Humor.
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