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Erhaltenswertes Schwäbisch

Erhalten und pflegen Sie Ihre Mundart!

Es ist ein Irrtum des Zeitgeistes zu glauben, in der Beschränkung auf die Weltsprache Englisch läge die geistige Größe des Menschen. Genau des Gegenteil ist der Fall: Die Wahrung der sprachlichen Vielfalt bringt uns Menschen Befriedigung und hohes kulturelles Niveau!

Daher, Ihr von der Globalisierung Verführten, erhaltet eure Muttersprache!

 


 

Sprachverwirrung

von Gert O.E. Sattler

Der “deutsche Michel”, wenig Grütze,
der trägt zwar kaum noch Zipfelmütze,
doch will er, es ist nicht zu fassen,
die eigne Sprache sausen lassen.

Als hätte deutsches Sprachgut Krätze,
benutzt er dumme Mischmasch-Sätze,
gewürzt mit einem derben Worte
der Jauchegruben und Aborte.

Sein arrogantes “Denglisch-Sprechen”,
seine Kauderwelschen, Radebrechen,
wird unerträglich durch Verbreitung
in Fernseh’n, Rundfunk und der Zeitung.

Einst hatte man, als wär’s Parabel,
die Sprachverwirrung schon in Babel:
Ein Volk der Denker wird verbogen
und pisamäßig umerzogen!

aus: Deutsche Sprachwelt Nr. 22/2005

 


 

Hier wunderschöne schwäbische Wörter und Begriffe, die meine Großeltern noch täglich benutzten:

Schwäbisch des 19. Jahrhunderts = bedeutet auf Hochdeutsch ...

  1. aber = i.S. von: schlecht, schädlich, unecht; z.B. einen Aber dran essen: von etwas zuviel essen; (siehe auch: Aberglaube)
  2. all bot = immer mal wieder, ständig
  3. asa = im Zustand von ... (z. B. asa dreckig)
  4. ästomiera = schätzen, achten
  5. Bagengala = Schlüsselblumen
  6. bahna = Schnee räumen
  7. Beig = Stapel, Haufen (z.B. aus Holz)
  8. beigen = aufschichten, stapeln
  9. Berloggastock = Fuchsie (Gartenpflanze)
  10. Bettsoicher = Löwenzahn (Wiesenpflanze)
  11. Bitscha = (Milch-) Kanne
  12. Boale = Kater
  13. bozgen = etwas anstellen, etwas Kriminelles tun
  14. Breschta = körperliches Gebrechen, Behinderung (Adjektiv: breschthaft)
  15. bschnotta = wenig, knapp, beschnitten
  16. bye Gott = behüte dich Gott (im Englischen umgedreht: Good bye)
  17. diefa = schmollen
  18. Dolka = Klecks
  19. drola = rollen, wälzen
  20. Fagaien = Grimassen
  21. Feal = Wunde, Verletzung
  22. Fiedla = Hinterteil, Popo
  23. frona = gemeinnütze (Männer-)Arbeit
  24. gar = vollends
  25. gautscha = schaukeln, wiegen
  26. Gelta = (Blech-) Zuber
  27. Gluv = Sicherheitsnadel
  28. Glüvle = Stecknadel
  29. Glump = unbrauchbarer oder unpraktischer Gegenstand
  30. gigampfa = schaukeln, wiegen
  31. goba = beschenken (Weihnachten)
  32. goopa = wenn die Hauskatze mit einem spielt
  33. goddeg = schnell, hurtig, rasch
  34. gotzig = einzig (von: Gott ist einzig)
  35. Grädda = Korb
  36. Graddl = Hochmut, Stolz
  37. grausig = grauenvoll, schlimm
  38. Griase = Kirschen
  39. Grimma = Bauchweh
  40. gruaba = ausruhen, rasten
  41. Gruscht = Krempel, Müll
  42. Gsälz = Marmelade
  43. Gupfa = Tüte
  44. Hag, hagen = Zaun, einen Zaun ziehen
  45. hälinga = heimlich
  46. heba = neuderdings, allmählich
  47. hefele = behutsam, sanft, bedächtig
  48. hehl = (eis-) glatt, rutschig
  49. Hingala = Himbeeren
  50. hirbstala, es hirbstalat = der Herbst kündigt sich an
  51. hoikl = schleckig, wählerisch
  52. Hoiza = Heinzen (Trocknungsgerüst) fürs Wiesenheu
  53. it = nicht
  54. jugga = (hoch-) springen
  55. Kanabé = Sofa (aus dem Französischen)
  56. Kär = Keller
  57. keia = werfen
  58. Knauza = Brotanschnitt
  59. Kog = Gauner, Schlitzohr, Spitzbube
  60. lais = ungewürzt, fade
  61. Lauba = Bühne, Dachgeschoss (von Laube = Lagerort von Baumlaub zur Viehfütterung im Mittelalter)
  62. lesch = Tauwetter
  63. letz = gefährlich
  64. Lois = Wagenspur
  65. Los = Muttersau
  66. losa = hören, zuhören
  67. lottern = wackeln
  68. luaga = schauen, zusehen
  69. luck lau = nachgeben, loslassen
  70. lupfa = hochheben
  71. Luse = Flirt, Liebschaft
  72. monzig = klein, winzig
  73. Mosa = (Kleider)- Flecken
  74. näsch = verärgert, wütend, eingeschnappt
  75. Naster = kleine Axt zum Entasten von Baumstämmen
  76. nemm au! = sieh mal einer an!
  77. Nuster = Rosenkranz
  78. Oißa = Furunkel
  79. päb = knapp, eng
  80. Preschtling = Erdbeerpflanze
  81. rahn = mager, schlank, sehnig
  82. räs = scharf (z.B. Rettich)
  83. Reiftle = Brot-Rest
  84. Ruv = Schürfwunde (verkrustet)
  85. saua = laufen, rennen, flitzen
  86. schiera = heizen, einfeuern, Holz auflegen
  87. Schlägle = (leichter) Schlaganfall
  88. Schleifat = Rutschbahn aus Eis
  89. Schnettera = nach hinten überstehendes Brett am Leiterwagen auf das man sich setzen konnte
  90. Schopf = Schuppen, kleine Scheune
  91. Schpeis = Speisekammer
  92. Standa = Sauerkraut-Topf bzw. -fass
  93. Steig, Steigle = (Obst-) Kiste
  94. verschobba = etwas (einen Gegenstand) verstecken
  95. verschlupfa = sich selbst verstecken
  96. web = Netz (z.B. Spinnen-Web)
  97. wetza = rennen, schnell laufen
  98. Wiesastroh = Stroh, das vom Mist auf den Wiesen übrig blieb, wurde im Frühjahr zusammengerecht und zum Einstreuen verwendet
  99. Wochadippl = Mums
  100. wonderfitzig = neugierig
  101. zenna = Grimassen schneiden, Gesicht verziehen
  102. Ziach = Betttuch
  103. Zoina = Korb aus Weidengeflecht oder Draht

 

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